Unter den Linden

Die Straße Unter den Linden ist ein alter Prachtboulevard in Berlins Mitte und führt mit 1,5 km Länge vom Pariser Platz aus bis zur Schlossbrücke. Bei einem Besuch in Berlin bietet es sich geradezu an, ihrem Verlauf zu folgen, da zahlreiche Sehenswürdigkeiten ihren Weg säumen. Im 16. Jahrhundert diente die noch nicht ausgebaute Straße für den Kurfürsten Johann Georg als Reitweg vom Berliner Stadtschloss bis zum Tiergarten. Nach dem 30-jährigen Krieg fand der erste Ausbau des Weges im Stil einer holländischen Allee statt, die durch die Anpflanzung von zahlreichen Nuss- und Lindenbäumen geschmückt wurde. Ihren Namen hat sie dem Umstand zu verdanken, dass die Linden widerstandsfähiger waren als die Nussbäume, die bald darauf eingingen, weshalb die noch weitgehend unscheinbare und ungepflasterte Allee den Namen Unter den Linden erhielt. Bedeutung erreichte sie erstmals im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts, als die Dorotheenstadt entstand und die Lindenallee durch eine vorgenommene Erweiterung eine Länge erreichte, die der heutigen entspricht.

Die Entwicklung hin zum Prachtboulevard schritt weiter voran, indem Friedrich I. dann zur Jahrhundertwende erst eine Akademie der Künste und danach eine Akademie der Wissenschaften gründen ließ. Zu dieser Zeit entwickelte sich die Friedrichstadt und viele Gebäude entlang der Straße wurden gebaut, was dazu führte, dass der Verkehr um einiges zunahm. Unter anderem fanden hier das heute älteste Gebäude, das Zeughaus sowie das Kommandantenhaus hier ihren Platz. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde dann auch der Ursprung für die kulturelle Bedeutung der Straße Unter den Linden gelegt. So entstanden hier das Forum Fridericianum, heute Bebelplatz, mit der Staatsoper, der Königlichen Bibliothek, der Sankt-Hedwigs-Kathedrale und das Prinz Heinrich-Palais, das später um 1810 den Grundstock der gegründeten Humboldt-Universität bildete. Absoluten Höhepunkt erreichte der Prachtboulevard nach den Befreiungskriegen, als Friedrich Wilhelm III. den Architekten Karl Friedrich Schinkel beauftragte, den östlichen Teil des Boulevards zu einer Art Triumphstraße zu erweitern, als Symbol für den Sieg über Napoleon. Der Übergang in den westlichen Teil der Straße, der zu dieser Zeit Verwendung als gutbürgerliche Wohngegend fand, wurde vom Reiterstandbild Friedrich des Großen markiert.

In den Jahren bis zur Jahrhundertwende hat sich der Westteil des Prachtboulevards Unter den Linden schnell in eine Art Geschäftsstraße verwandelt, in der viele Restaurants und Läden entstanden. Bis zum 2. Weltkrieg entwickelte sich der Boulevard zu einer äußerst lebendigen und sehr beliebten Flaniermeile. Zu dieser Zeit entstanden so berühmte Hotels wie das Imperial und das luxuriöse Adlon, das zu einer Art Wahrzeichen Berlins avancierte. Im Krieg fast vollkommen zerstört, wurde dann in den Fünfzigern mit dem Wiederaufbau der historischen Gebäude entlang der Straße begonnen. Ausgenommen davon war das Stadtschloss, das in den Siebzigern an neuer Stelle vom Palast der Republik ersetzt, nach der Wiedervereinigung wegen Asbestverseuchung aber geschlossen wurde. Es lohnt sich hier auf Entdeckungstour zu gehen, da entlang des alten Prachtboulevards einige der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt liegen, wie das Brandenburger Tor mit dem Pariser Platz, die Königliche Bibliothek, das wieder eröffnete Hotel Adlon und die Schlossbrücke, um nur einige zu nennen.