Nikolaiviertel

Das Nikolaiviertel, in Berlin Mitte gelegen, ist das älteste Wohngebiet innerhalb Berlins, aus dessen Zentrum die älteste Kirche der Stadt, die Nikolaikirche ragt. Entstanden ist das Viertel auf einer ehemaligen Handelsstraße, als sich hauptsächlich Handwerker und Händler dort niederließen. Im Jahre 1200 wurde der Bau der Nikolaikirche beendet und zwei Siedlungen, Berlin und Cölln entstanden, die beide um 1230 ihre Stadtrechte verliehen bekamen. 1486, zur Zeit des Kurfürsten Johann Cicero, der hier ständig residierte, hatte sich das Viertel zu einem großen Handelsplatz entwickelt. Dadurch zu einem gewissen Wohlstand erlangt, ließ die Bevölkerung die Nikolaikirche, eine Feldsteinbasilika, zu einer gotischen Hallenkirche umbauen. In den folgenden Jahrhunderten sollten noch einige kleine Umbauten vorgenommen werden, wodurch ihre charakteristische mittelalterliche Fassade aber keine Beeinträchtigung erfuhr, bis dann 1870 ein neugotischer Doppelturm ihr Erscheinungsbild veränderte. Während sich Berlin in seiner Größe und den Strukturen langsam zu einer Stadt von Weltniveau entwickelte, blieb das Nikolaiviertel, in dem weiterhin hauptsächlich Händler und Handwerker wohnten, fast unverändert. Wenn man sich ein Bild des alten Berlins machen möchte, bekommt man in diesem Viertel eine Ahnung davon, wie es gewesen sein könnte.

Das im 2. Weltkrieg fast vollkommen zerstörte Nikolaiviertel wurde nach dem Kriegsende zwar von seinen Ruinen befreit, hatte aber ansonsten gegenüber der anderen Stadtgebiete ein Schattendasein zu fristen, bis die 750-Jahrfeier der Stadt Berlin im Jahre 1987 stattfinden sollte. Erstmals wurde eine Rekonstruktion und Wiederaufbau des alten Viertels thematisiert, um die geschichtsträchtige Vergangenheit und die Wurzeln Berlins wieder lebendig werden zu lassen. Hierbei wurden die nur noch wenigen vorhandenen Bauwerke einer Restaurierung unterzogen und viele Neubauten erstellt. Einige von den neuen Gebäuden wurden historischen Vorbildern nachempfunden, während andere in Plattenbauweise hergestellt und mit Ornamenten versehen sowie mit Giebeln ausgestattet wurden. Die Nikolaikirche, von der nur noch die Außenmauern in intaktem Zustand vorhanden waren, wurde saniert und dient heute als eine Art Museum, in dem eine Dauerausstellung zur Geschichte der Kirche gezeigt wird und auch zahlreiche Konzerte stattfinden. Das Ephraim-Palais wurde 12 Meter von seinem ehemaligen Standort entfernt neu aufgebaut, indem auch Teile der alten Fassade ihre Verwendung fanden. Hier finden regelmäßig Wechselausstellungen zu verschiedenen Themen statt. Das im Barockstil erbaute Knoblauchhaus, eines der wenigen noch erhaltenen Bürgerhäuser, lässt die Zeit des im 18. Jahrhundert entstandenen Bürgertums durch das Biedermeier-Flair der Räumlichkeiten und des Mobiliars wieder aufleben. Am Nikolaikirchplatz kann man das ehemalige Wohnhaus des berühmten deutschen Dichters und Denkers Gotthold Ephraim Lessing bewundern. Neben letzterem besuchten auch Heinrich Heine, Theodor Fontane und sogar Johann Wolfgang von Goethe gerne dieses Viertel. Das damals von den deutschen Geistesgrößen wie auch von anderen Besuchern Berlins bevorzugt aufgesuchte Gasthaus ?Zum Nussbaum? findet man heutzutage als Kopie auf dem Nikolaikirchplatz. Auch eine Kopie ist der Gründungsbrunnen, der nach einem Entwurf von 1928 angefertigt und neben der Nikolaikirche aufgestellt wurde, wo er an die Gründung Berlins erinnern soll.

Das Ergebnis der Rekonstruktion des historischen Nikolaiviertels findet keine uneingeschränkte Zustimmung. Es gibt einige Kritiker, die die fehlende Authentizität des Viertels bemängeln und sogar eine Ähnlichkeit mit Disneyland entdecken wollen. Bei Touristen und auch Berlinern erfreut sich das Nikolaiviertel jedoch, auch durch die kleinen Läden, Souvenirshops und gastronomischen Einrichtungen großer Beliebtheit.