Friedrichstraße

Die Berliner Friedrichstraße, die in den goldenen Zwanzigern vor allem für ihre "Amüsiertempel" bekannt war, schafft es heute, ihre historische Vergangenheit mit den Ansprüchen einer modernen Gesellschaft zu vereinen. Entstanden ist die damals noch sehr unscheinbare Querstraße im ausgehenden 17. Jahrhundert durch den Bau einer Vorstadt, die zu Ehren von Friedrich Wilhelms Frau, Dorotheenstadt genannt wurde. Nach einem Erlass von Friedrich III., der in diesem Stadtteil zahlreiche Erweiterungen vornehmen ließ, erhielt sie seinen Namen und konnte sich fortan mit dem Namen Friedrichstraße schmücken. Der Stadtteil erhielt durch die Architekten Walter Nehring und Fa. Smid ein komplett neues Aussehen und wurde 1695 in Friedrichstadt umbenannt. Unter Friedrich Wilhelm I. wurde der Ausbau der Friedrichstadt und somit auch der Friedrichstraße weiter vorangetrieben, die zu diesem Zeitpunkt vom Halleschen bis zum Oranienburger Tor reichte. Als 1848 die Märzrevolution tobte, wurde sie zum Schauplatz der damaligen Ereignisse, was eine dort angebrachte Gedenktafel bezeugt. Im 19. Jahrhundert wurden vor allem zwischen Weidendammer Brücke und dem Halleschen Tor viele Restaurants und prestigeträchtige Hotels gebaut, die zahlreiche Gäste anzogen. Zur Jahrhundertwende war die Friedrichstraße dann als Handelsplatz für Gold und Edelsteine aber auch für Prostitution über die Grenzen Berlins hinaus bekannt.

Die Friedrichstraße vom 2. Weltkrieg bis heute

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und mit der Spaltung Berlins wurde die Friedrichstraße in zwei Hälften geteilt. Auf der Westseite verlief der südliche Teil der Straße, wobei man sich beim Wiederaufbau vor allem auf den Mehringplatz im Bezirk Kreuzberg konzentrierte. Der im Ostteil verbliebene nördliche Straßenverlauf erhielt einige interessante neue Gebäude wie das Internationale Handlungszentrum oder den Friedrichstadtpalast. Mittlerweile führt die Friedrichstraße mit einer Länge von ca. 3,3 km in Nord-Südrichtung über die, um 1920 aus der damaligen Friedrichstadt entstandenen Bezirke Kreuzberg und Mitte. Wenn man vom südlichen Anfangspunkt der Friedrichstraße, dem Mehringplatz mit seinem bekannten Wahrzeichen, dem Brunnen mit der 1843 hinzugefügten Friedenssäule ausgehend ihrem Verlauf folgt, passiert man so geschichtsträchtige Orte wie den ehemaligen Grenzübergang der Alliierten, den Checkpoint Charlie. Dieser war wohl der bekannteste aller Grenzübergänge an der Berliner Mauer in der Zeit zwischen 1961 und 1990, und zählt heute zu den größten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Vorbei am Prachtboulevard Unter den Linden erreicht man den Bahnhof Friedrichstraße mit dem so genannten Tränenpalast. Dieser verdankt den traurigen Namen seiner noch traurigeren Vergangenheit als Ausreise- und Abfertigungshalle, in der die DDR-Bürger, selbst mit Ausreiseverbot belegt, von ihren West-Besuchern, meist unter Tränen Abschied nehmen mussten. Weiter über die Spree auf der Weidendammer Brücke erreicht man das Oranienburger Tor, das gleichzeitig den nördlichen Endpunkt der Friedrichstraße markiert.

Seit den Neunziger Jahren hat sich die historische Friedrichstraße in eine Flaniermeile der Extraklasse verwandelt. Im Kontrast zu den geschichtsträchtigen Bauwerken sind zahlreiche neue Geschäftsbauten entstanden, die für eine zusätzliche Belebung des Straßenzuges sorgen. Besonders bekannt sind die Friedrichstadt-Passagen mit ihren Bistros, Restaurants und Nobelboutiquen. Vor allem die Galeries Lafayette, ein Einkaufsparadies der Luxusklasse, beeindruckt architektonisch mit ihrer Glasfassade und lockt durch ihr französisches Flair die Besucher an.