Reichstag in Berlin

Der Reichstag im Ortsteil Tiergarten in Berlins Mitte zählt zu den markantesten und geschichtsträchtigsten Sehenswürdigkeiten Berlins. Seine bewegte historische Vergangenheit und die besondere Architektur, die Stilelemente des Barock, des Klassizismus und der Renaissance sowie der Moderne vereinigt, machen ihn zu einer der Attraktionen der Stadt. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 und der Entscheidung Berlin zur Reichshauptstadt zu machen, wurde ein repräsentatives Parlamentsgebäude benötigt. Durch zahlreiche Probleme bei der Grundstückssuche und anderen bürokratischen Hürden konnte erst 1884 der Grundstein gelegt werden. Verantwortlicher Architekt für dieses monumentale Bauwerk war Paul Wallot, der durch seine Pläne den ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen und die Parlamentsmitglieder von seinem Können überzeugt hatte.

Bei der Fertigstellung des Reichstages kam es immer wieder zu Problemen und Verzögerungen. Eine Tatsache, die zu zehn Jahren Bauzeit führte. Vor allem die geplante Steinkuppel warf Probleme auf. Eigentlich für eine zentrale Position direkt über dem Plenarsaal vorgesehen, sollte Wallot davon überzeugt werden, sie über der westlichen Eingangshalle anzubringen. Nach langwierigen und zähen Verhandlungen konnte der Architekt auf den ursprünglichen Plan zurückgreifen. Leider waren nun die schon errichteten, tragenden Wände zu schwach, um eine steinerne Kuppel tragen zu können. Nun musste die Kuppelhöhe um 10 m verringert und mit einer leichten Stahl- und Glaskonstruktion vorlieb genommen werden. Auch die von Wallot vorgesehene Inschrift "Dem Deutschen Volke? über dem Westportal wurde nicht bis zur Einweihung des Reichstages 1894 angebracht. Während des 1. Weltkriegs, im Jahre 1916 wurde diese Versäumnis nachgeholt. Böse Zungen behaupten, der Kaiser höchstpersönlich hätte sich gegen diese Widmung ausgesprochen, da sie ihm zu ?demokratisch? gewesen sei.

Bedeutende Ereignisse in der deutschen Geschichte sind untrennbar mit dem Reichstagsgebäude verbunden. So rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am 9. November 1918 von einem der Westbalkone des Reichstages die deutsche Republik aus. Ein Teil des Gebäudes fiel am 27.2.1933 einer vermutlichen Brandstiftung zum Opfer. Die Kuppel und der Plenarsaal wurden hierbei vollkommen zerstört. Leider konnte der Reichstagsbrand nie ganz aufgeklärt werden. Nutznießer dieses Umstandes waren die Nationalsozialisten, die nun massiv gegen ihre politischen Gegner vorgingen. Der Reichstag wurde 1945 noch einmal zum geschichtsträchtigen Schauplatz, als eine rote Sowjetfahne auf dem Dach des Gebäudes als Symbol des Sieges über Nazideutschland gehisst wurde. Erst einige Jahre nach Ende des Krieges wurde der Wiederaufbau des Reichstages in Angriff genommen. Der Architekt Paul Baumgarten, der Gewinner eines ausgeschriebenen Wettbewerbs übernahm 1961 diese Aufgabe und baute das Reichstagsgebäude in vereinfachter und schnörkelloser Form bis 1973 wieder auf. Die Kuppel, die man schon 1954 aus statischen Gründen gesprengt hatte, wurde nicht ersetzt.

Der Reichstag heute

Nach der Wiedervereinigung wurde ziemlich schnell beschlossen, Berlin wieder zur deutschen Hauptstadt zu machen und den Reichstag erneut als Parlamentsgebäude zu nutzen. Von 1994 bis 1999 wurde der Reichstag nach dem Entwurf des Architekten Norman Fosters in ein modernes Plenargebäude mit einer begehbaren, gläsernen Kuppel umgebaut. Gerade diese Kuppel, die eigentlich erst nachträglich entworfen wurde, entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer besonderen Sehenswürdigkeit Berlins. Mittlerweile wurden bereits über 18 Millionen Besucher des Reichstages gezählt, die nicht nur von der außergewöhnlichen Kuppel angelockt werden. Auch die Aussichtsplattform und das begehbare Dach, auf dem sich ein Restaurant befindet, sind einen Ausflug wert.