Hackesche Höfe

Die unter Denkmalschutz stehenden Hackeschen Höfe liegen in der Spandauer Vorstadt im Berliner Ortsteil Mitte und sind ein gut besuchter Szenetreffpunkt der Berliner. Auch für Touristen sind die bekannten Hackeschen Höfe eine der Attraktionen Berlins. Das zur Zeit Friedrichs des Großen, in der Mitte des 18. Jahrhunderts unfertige Viertel Spandauer Vorstadt sollte durch den Stadtkommandanten Graf Hacke neu bebaut werden, wobei ein neuer Marktplatz, der spätere Hackesche Markt entstand. In der Spandauer Vorstadt entwickelten sich ein lebendiges, vom Judentum geprägtes Leben und die Konfektionsindustrie Berlins mit zahlreichen Textilmanufakturen. Zu der Zeit, im September 1906, als die Hackeschen Höfe gegenüber des Hackeschen Marktes ihre Eröffnung feierten, konnte sich die Stadt Berlin als Modemetropole und Hauptstadt der Konfektion bezeichnen.

Geschichte der Hackeschen Höfe

Für die Hackeschen Höfe waren die Erben des Glasfabrikanten Hans Quilitz und der Architekt Kurt Berndt verantwortlich, die zusammen mehrere Grundstücke zwischen Sophien- und Rosenthalerstraße zu einem großen Baugrundstück zusammenlegen ließen und so eine Nutzfläche über 9 000 m² zur Verfügung hatten. Die darauf befindlichen Altbauten wurden abgerissen, um Platz für die größte Wohn- und Gewerbehofanlage Deutschlands zu schaffen. Dies geschah nach der Philosophie der Lebensreform-Bewegung, die zu dieser Zeit in Deutschland einige Anhänger hatte. Diese Bewegung kritisierte die Industrialisierung und den damit verbundenen Materialismus und hielt sich an das Leitmotiv ?Zurück zur Natur?. Dies zeigte sich auch in der Nutzung der Hackeschen Höfe. Sie bestanden aus insgesamt 8 Höfen, die sich zusammen ganz wunderbar ergänzten. Neben einigen Fabriketagen und einem Büro- und Geschäftshaus, fand ein Gebäude des ersten Hofes eine Verwendung als Festsaaltrakt. Besonderer Wert wurde auf ein gesundes und harmonisches Leben und Arbeiten in Harmonie gelegt, das durch die Ausstattung der Höfe ermöglicht wurde. So fanden innerhalb der Hackeschen Höfe zahlreiche Grünpflanzen, Sandkästen und Brunnen Platz, die eine zu dieser Zeit einzigartige wohnliche Atmosphäre schufen. Die hier entstandenen 80 Wohnungen mit den Zentralheizungen und Innentoiletten hatten einen für Mietwohnungen der damaligen Zeit erstaunlichen Standard.

Der Berliner Architekt und Künstler August Endell war für die Gestaltung einiger Innenbereiche der Hackeschen Höfe und für die Jugendstilfassade des ersten Hofes zuständig. Dieser diente vor allem der kulturellen Nutzung durch die hier befindlichen Festsäle, die den Anwohnern des Viertels zur Verfügung standen. Es gab auch noch zahlreiche andere Räume, in denen Vorträge und Dichterlesungen abgehalten wurden, während nebenan in den Fabriketagen Herren- und Damenkonfektion hergestellt wurden. Die Büros fanden vielfache Verwendung in den verschiedensten Geschäftsbereichen wie unter anderem Banken und Lebensmittelfirmen. Leider hielt diese Symbiose aus Leben und Arbeiten nicht lange an und gegen Ende der Zwanziger Jahre begann das langsame Sterben der Hackeschen Höfe.

Die Hackenschen Höfe heute

Wieder entdeckt wurden sie in den Neunziger Jahren. Mittlerweile aufwändig saniert, findet sich in den Hackeschen Höfen diese einmalige Mixtur aus Wohnen, Arbeiten und Kultur wieder, die so viele Menschen anzieht. Die Fabriketagen werden nun als Büros genutzt und Galerien und kleine Geschäfte laden zu kleinen Stippvisiten ein. Die Wohnhöfe werden abends geschlossen, was den Anwohnern eine ruhige Nacht garantiert. Wer nicht schlafen möchte, findet hier genug Abwechslung durch das Cabaret "Chamäleon", ein Filmtheater und zahlreiche Bars und Restaurants. Durch ihre unmittelbare Nähe zum Hackeschen Markt, sind sie sehr gut zu erreichen. Besonders im Sommer kann man sich vor Touristen kaum retten, weshalb diese Sehenswürdigkeit von Berlinern weitestgehend gemieden wird.