Die Gedächtniskirche - Sehenswürdigkeit am Kurfürstendamm

Die Gedächtniskirche, eigentlich Friedrich-Wilhelm-Gedächtniskirche, findet man am Breitscheidtplatz am Kurfürstendamm. Sie umfasst den neoromanischen Bauteil, der von Kaiser Wilhelm II. zum Gedächtnis seines Großvaters, Wilhelm I. angeregt wurde und die Nachkriegsbauten.

Der Baurat Franz Schwechten war der glückliche Gewinner eines ausgelobten Architekturwettbewerbs und wurde mit dem Bau der Gedächtniskirche beauftragt. Franz Schwechtens Entwurf war ganz nach dem Vorbild der Kirchen seiner Heimat, dem Rheinland, im neoromanischen Stil gefertigt. Nach Beendigung des Baus bot die Kirche einen wahrhaft monumentalen Anblick, der vor allem durch die fünf Türme, wovon der höchste an die 113 Meter zählte, zu beeindrucken wusste. Das Innere der Kirche sollte ebenso begeistern, indem es zahlreiche Reliefs und Mosaiken sowie realitätsnahe Bilderzyklen von den Befreiungskriegen und dem deutsch-französischen Krieg schmückten.

Zerstörung der Gedächtniskirche im 2. Weltkrieg

Während des zweiten Weltkriegs, im November 1943 fiel die Gedächtniskirche leider zum Opfer eines Bombenangriffs und wurde zu großen Teilen zerstört. Der Architekt Egon Eiermann gewann den Wettbewerb um eine Neukonstruierung der Kirche und war Verfechter der Idee eines kompletten Neuaufbaus. Dies verursachte einen Aufstand der Bevölkerung und eine öffentlich geführte Debatte, die mit einem Kompromiss beendet wurde. Der alte Hauptturm, von dessen einstmaliger stolzer Höhe von 113 Metern nur noch eine Ruine von 68 Meter stand, sollte als Kriegs-Mahnmal dienen. Um ihn herum entstanden ein achteckiges Kirchenschiff, ein sechseckiger Glockenturm, eine viereckige Kapelle und ein Foyer, wofür der Architekt Eiermann genauso verantwortlich zeichnete, wie für die Innengestaltung des Altarraumes. Die fertige Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche konnte am 17. Dezember 1961 feierlich eingeweiht werden. Eine Besonderheit des Neubaus sind die doppelten Wände, in dessen Stahlgerüste die Betonwabenfertigteile mit den über 30 000 eingefassten kleinen Glasfenster eingefügt wurden. Der französische Künstler Gabriel Loire konnte für die Gestaltung der farbigen Glasfenster gewonnen werden. In die ca. 2,5 m voneinander entfernten Wände wurden Lichtquellen angebracht, die so für das charakteristische Farbspiel der Glasfenster und für einen unbeschreiblichen Anblick sorgen.

Ebenso unbeschreiblich ist auch der Innenraum der Gedächtniskirche, die für insgesamt 1000 Menschen Platz bietet. Eine Besonderheit stellte die Christusfigur dar, die über dem Altartisch schwebt. Die 4,60 m große Figur ist aus einer Messingart gefertigt und bildet durch ihren Körper und den seitlich erhobenen Armen die Form eines Kreuzes. Auch die Orgel mit ihren 5100 Pfeifen weiß durch ihren Anblick zu gefallen. Ein Kreuz erinnert an die evangelischen Märtyrer zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Eingangshalle der alten Friedrich-Wilhelm- Gedächtniskirche ist seit 1987 zur Gedenkhalle umfunktioniert worden. Sie erinnert durch ihre Geschichte, die durch zahlreiche Bilder veranschaulicht wird, an den Krieg. Aber auch der Versöhnungsgedanke findet hier seinen Platz. So kann man hier das Nagelkreuz von Coventry entdecken, dessen Nägel von den Dachbalken der Kathedrale dieser Stadt stammen, die von deutschen Bomben getroffen und vollkommen zerstört wurde. Auch die Russisch Orthodoxe Kirche übergab als ein Zeichen der Versöhnung ein Ikonenkreuz, das links neben der noch erhaltenen Christusstatue der alten Gedächtniskirche zu finden ist. Auch die sich noch in sehr gutem Zustand befindenden Reliefs und Mosaiken, die für die Kunstfertigkeit der damaligen Zeit ein gutes Beispiel abgeben, sind eine genauere Betrachtung wert.