Bundeskanzleramt

Das Bundeskanzleramt im Berliner Regierungsviertel ist zweifellos ein beeindruckendes aber auch nicht unumstrittenes Bauwerk. Vor allem die gigantischen Ausmaße des Kanzleramts stießen auf Kritik. Ungefähr achtmal so groß wie das Weiße Haus, gehört es zu den weltweit größten Regierungssitzen. Nach der Wiedervereinigung und der darauf folgenden Entscheidung, Berlin zur Hauptstadt zu machen, wurde ein Architekturwettbewerb um die Neubebauung und Gestaltung der Regierungsgebäude im Spreebogen ausgeschrieben. Die Berliner Architekten Charlotte Frank und Axel Schulte landeten schließlich mit ihrem Entwurf "Das Band des Bundes" den großen Coup. Dieser sah eine von Westen nach Osten reichende städtebauliche Verbindung über die beiden Spreeufer hinaus vor, die somit als architektonisches Symbol der Wiedervereinigung gelten kann. 1997 mit dem Bau begonnen, fand bereits 4 Jahre später die feierliche Einweihung des Bundeskanzleramts statt.

Zu dem Band des Bundes gehören neben dem Bundeskanzleramt noch der Reichstag, der Paul-Löbe-Bau mit zahlreichen Büros für die Parlamentsmitglieder und das Elisabeth-Lüders-Haus mit der Parlamentsbibliothek. Das Kanzleramt selbst besteht aus einem Mittelgebäude mit neun Etagen, dem Leitungsbau und zwei Büroflügeln, die ihn von rechts und links flankieren. Dadurch kommt ein Innenhof, der so genannte Ehrenhof zustande, der meist für den Empfang von Staatsgästen Nutzung findet. Geschmückt wird er durch die 90 Tonnen schwere Skulptur "Berlin", angefertigt von dem baskischen Künstler Eduardo Chillida. Das Erdgeschoss im Leitungsbau dient mit seinem beeindruckenden Foyer oft als Kulisse für Fototermine mit Gästen. Im ersten Stock liegt ein internationaler Konferenzraum mit zahlreichen Dolmetscherkabinen, der Platz für circa 200 Journalisten bietet. Besonders interessant ist auch der 4. Stock, der die so genannte "Geheimetage" beherbergt, die über einen abhörsicheren Raum für den Krisenstab verfügt. In der 5. Etage wartet ein großer Bankettsaal, der vor allem für Festessen und Empfänge genutzt wird. Das Büro des Bundeskanzlers liegt im 7. Stock, von dem aus man einen wundervollen Blick auf den Reichstag und das Brandenburger Tor hat. Im 8. Stock schließlich ist das Kanzlerapartment mit Wohn- und Schlafraum und integrierter Küche zu finden.

Der Anblick dieses repräsentativen Gebäudes ist wirklich außergewöhnlich. Das Leitungsgebäude in der Mitte ist ein 36 Meter hoher Kubus, der durch seine Glasfassaden Transparenz und Leichtigkeit vermittelt. Durch die weiße Farbe des würfelförmigen Gebäudes und den kreisförmigen Außenfenstern hat das Bundeskanzleramt von den Berlinern den Spitznamen "Waschmaschine" erhalten. Wenn man in der Stadt ist und die Möglichkeit hat, an einer Führung durch das Gebäude teilzunehmen, sollte man sich das nicht entgehen lassen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind allerdings beträchtlich. Die Besuchergruppen werden von Beamten des BKA begleitet und die vorher notierten Namen anhand von Listen kontrolliert. Auch den Ausweis sollte man nicht vergessen. Diese aufwendige Prozedur lohnt sich, da man schließlich nicht jeden Tag von sich behaupten kann, dem Bundeskanzler der Republik Deutschland einen Besuch abgestattet zu haben.